Prolaktin erhöht bedeutet dass ein Hormon das ursprünglich für das Stillen zuständig ist, im nicht-stillenden Körper zu hoch ist. Es unterdrückt LH und FSH, blockiert so den Eisprung und macht eine Schwangerschaft schwierig. Die häufigste Ursache ist chronischer Stress.
Was macht Prolaktin im Körper und warum stört es den Eisprung?
Mein Zyklus war immer ein Uhrwerk, selbst in meiner anstrengendsten Phase mit kleinen Kindern, kaum Schlaf und einem Kopf, der nie aus war. Erst nach dem dritten Kind sprang mein regelmäßiger 28 Tage Zyklus mal auf 32, mal auf 33, und ein paar Male blieb er ganz aus. Inzwischen ist er wieder regelmäßig. Aber genau in dieser Zeit habe ich angefangen zu verstehen, wie stark Dauerstress bei vielen Frauen den Zyklus durcheinanderbringt, und welcher Logik der Körper dabei folgt. Und wenn dein Zyklus gerade macht, was er will, dann lohnt sich der Blick auf ein Hormon, das dabei oft übersehen wird: Prolaktin.
Prolaktin ist eigentlich das Stillhormon. Es wird in der Hirnanhangsdrüse gebildet und sorgt nach einer Geburt für die Milchbildung. Und es hat noch einen zweiten Job: Es verhindert beim Stillen, dass du direkt wieder schwanger wirst. Genau dafür drosselt es die Hormone LH und FSH, die deinen Eisprung steuern.
Jetzt auf deinen Kontext bezogen: Wenn dein Prolaktin erhöht ist, obwohl du gar nicht stillst, läuft dieses Programm trotzdem. Dein Körper bekommt das Signal, jetzt ist keine gute Zeit für eine Schwangerschaft. Die Eizellreifung wird gebremst, der Eisprung verspätet sich oder fällt ganz aus, die zweite Zyklushälfte wird zu kurz. Die aktuelle Studienlage sagt, dass ein deutlich erhöhtes Prolaktin zu den häufigeren hormonellen Gründen für Zyklusstörungen und ausbleibenden Eisprung gehört.
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Welcher Prolaktin Normalwert gilt für Frauen mit Kinderwunsch?
Als Orientierung: Bei nicht schwangeren, nicht stillenden Frauen gilt im Blut grob ein Bereich bis etwa 25 ng/ml als normal, manche Labore geben den Wert in mIU/l an, dann liegt die Grenze bei ungefähr 500. Schau also zuerst auf die Einheit deines Befundes, bevor du dich erschreckst.
Und dann kommt das Aber, das du von mir schon kennst: Ein einzelner Wert ist bei Prolaktin noch weniger aussagekräftig als bei anderen Hormonen. Prolaktin ist ein Stressantwort-Hormon und reagiert auf fast alles. Schlechter Schlaf in der Nacht davor, die Eile auf dem Weg zur Praxis, sogar die Aufregung vor der Blutabnahme selbst können den Wert nach oben schieben.
In der klinischen Praxis wird deshalb empfohlen, einen erhöhten Wert in Ruhe zu wiederholen: morgens, ausgeschlafen, nüchtern angekommen und vor der Abnahme ein paar Minuten gesessen. Erst wenn der Wert wiederholt und deutlich erhöht ist, ist er wirklich ein Befund. Lass dich also von einem einmaligen Ausreißer nicht verrückt machen, aber wink ihn auch nicht weg. Nachmessen statt raten.
Was erhöht Prolaktin? Ursachen im Überblick
Die Liste der Ursachen ist kürzer, als man denkt, und sie ist weniger beängstigend, als Google sie aussehen lässt. Die mit Abstand häufigste Ursache im Alltag ist chronischer Stress, dazu gleich mehr. Daneben gibt es ein paar handfeste körperliche Auslöser, die du kennen solltest.
Erstens, und das überrascht viele: eine Schilddrüsenunterfunktion. Wenn die Schilddrüse zu schwach arbeitet, steigt im Gehirn das Signalhormon TRH, und TRH kurbelt nebenbei auch die Prolaktinbildung an. Ein erhöhtes Prolaktin kann also schlicht das Echo einer unbehandelten Schilddrüse sein. Deshalb gehören die beiden Werte immer zusammen gemessen.
Zweitens Medikamente. Bestimmte Mittel gegen Übelkeit, einige Antidepressiva und Neuroleptika können Prolaktin erhöhen. Schau in den Beipackzettel und sprich es bei deiner Ärztin an.
Drittens das Mikroprolaktinom, ein kleiner gutartiger Knoten in der Hirnanhangsdrüse, der Prolaktin produziert. Das Wort klingt furchteinflößend, aber objektiv nach Studienlage ist es gut behandelbar und in der Regel harmlos. Daran denkt man vor allem bei stark erhöhten Werten, dann wird einmal sauber abgeklärt, meist mit einem MRT.
Wie hängen Stress und Prolaktin zusammen?
Hier schließt sich der Kreis. Dauerstress bedeutet für deinen Körper: Gefahr. Und in Gefahr investiert er nicht in Fortpflanzung. Das Stresssystem mit Cortisol und das Prolaktin arbeiten dabei in dieselbe Richtung, beide signalisieren der Zyklussteuerung im Gehirn, jetzt bitte nicht.
Das Gemeine daran ist der Kreislauf. Der unerfüllte Kinderwunsch selbst ist Stress, jeder Zyklus ohne zweiten Strich erhöht den Druck, und genau dieser Druck kann über Prolaktin den Eisprung weiter stören. Ich sag jetzt nicht, dass du nur entspannen musst, diesen Satz finde ich ehrlich gesagt furchtbar. Ich meine nur grundsätzlich: Stress ist bei diesem Hormon keine Floskel, sondern ein messbarer Faktor.
Prolaktin senken: Was hilft natürlich und medizinisch?
Die gute Nachricht zuerst: Prolaktin gehört zu den Werten, bei denen sich wirklich etwas bewegen lässt. Der erste Schritt ist immer die Ursache. Steckt die Schilddrüse dahinter, wird sie eingestellt und das Prolaktin folgt oft von selbst. Steckt ein Medikament dahinter, wird mit der Ärztin nach Alternativen gesucht.
Auf der natürlichen Seite steht an erster Stelle das, was ich gerade beschrieben habe: den Dauerstress ernst nehmen. Schlaf zuerst, der wirkt direkt auf die Hormonachsen. Dazu wird in der Frauenheilkunde traditionell Mönchspfeffer eingesetzt, auch Vitex genannt, und die Studienlage zeigt einen Zusammenhang mit sinkenden Prolaktinwerten bei leichten Erhöhungen. Nimm ihn aber nicht auf Verdacht, sondern erst, wenn dein Wert gemessen ist, und sprich die Einnahme ab.
Bei deutlich erhöhten Werten oder einem Prolaktinom gibt es eine wirksame medizinische Behandlung mit Medikamenten wie Cabergolin, die die Prolaktinbildung gezielt drosseln. In der klinischen Praxis normalisiert sich der Zyklus darunter häufig wieder, das ist ein gut etablierter Weg, ärztlich begleitet.
Prolaktin ist dabei selten allein unterwegs, dein Zyklus ist ein Zusammenspiel: Hier liest du mehr über die Östrogendominanz und ihre Auswirkung auf den Zyklus. Und woran du erkennst, ob dein Eisprung überhaupt stattfindet, zeige ich dir hier: Eisprung Symptome richtig einordnen
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FAQ
Welcher Prolaktinwert ist normal bei Frauen?
Bei nicht schwangeren, nicht stillenden Frauen gilt grob ein Bereich bis etwa 25 ng/ml beziehungsweise rund 500 mIU/l als normal, je nach Labor und Einheit. Wichtig: Prolaktin reagiert stark auf Stress, Schlafmangel und sogar die Blutabnahme selbst. Ein einmalig erhöhter Wert sollte deshalb morgens und in Ruhe wiederholt werden, bevor er als Befund gilt.
Kann erhöhtes Prolaktin den Eisprung verhindern?
Ja, das ist sogar seine biologische Aufgabe. Prolaktin unterdrückt die Hormone LH und FSH, die Eizellreifung und Eisprung steuern, so verhindert der Körper beim Stillen eine erneute Schwangerschaft. Ist der Wert ohne Stillen dauerhaft erhöht, kann der Eisprung sich verspäten oder ausbleiben und die zweite Zyklushälfte zu kurz werden. Die aktuelle Studienlage zählt erhöhtes Prolaktin zu den häufigeren hormonellen Ursachen für Zyklusstörungen.
Was verursacht einen erhöhten Prolaktinspiegel?
Die häufigsten Ursachen sind chronischer Stress und Schlafmangel, eine unbehandelte Schilddrüsenunterfunktion, bestimmte Medikamente wie einige Antidepressiva, Neuroleptika und Mittel gegen Übelkeit sowie das Mikroprolaktinom, ein kleiner gutartiger Knoten der Hirnanhangsdrüse. Auch die Aufregung bei der Blutabnahme kann den Wert verfälschen. Deshalb gehören Wiederholungsmessung und Schilddrüsencheck immer dazu.
Wie kann man Prolaktin natürlich senken?
Zuerst die Ursache klären, dann handeln. Bei stressbedingten Erhöhungen wirken Schlaf, Stressabbau und Entlastung im Alltag direkt auf die Hormonachse. In der Frauenheilkunde wird traditionell Mönchspfeffer eingesetzt, die Studienlage zeigt einen Zusammenhang mit sinkenden Werten bei leichten Erhöhungen. Wichtig: erst messen, dann einnehmen, und die Einnahme ärztlich absprechen, vor allem bei Kinderwunsch.
Wann ist erhöhtes Prolaktin medizinisch behandlungsbedürftig?
Wenn der Wert wiederholt und deutlich erhöht ist, wenn der Eisprung ausbleibt, wenn Milchfluss außerhalb der Stillzeit auftritt oder wenn ein Prolaktinom festgestellt wurde. Dann wird in der klinischen Praxis mit Medikamenten wie Cabergolin behandelt, die das Prolaktin gezielt senken. Darunter normalisiert sich der Zyklus häufig wieder, die Behandlung gehört in ärztliche Begleitung.
Abschluss
Vielleicht ist Prolaktin genau der Wert, nach dem bei dir noch nie jemand geschaut hat. Er steht in kaum einem Standardprogramm an erster Stelle, dabei ist die Abklärung so einfach: eine Blutabnahme, in Ruhe, morgens, zusammen mit deiner Schilddrüse. Mehr braucht es nicht, um eine mögliche Eisprung-Bremse zu finden oder auszuschließen. Und falls dein Wert erhöht ist, dann hast du keinen Grund zur Panik, sondern endlich einen Ansatzpunkt. Stress ernst nehmen, Ursache klären, behandeln lassen, nachmessen. Genau so wird aus einem diffusen „es klappt einfach nicht“ ein konkreter Plan. Nicht mehr raten, sondern verstehen wollen, das gilt auch bei der Diagnose Prolaktin erhöht.
Quellen
- Milewicz A et al. Vitex agnus castus extract in the treatment of luteal phase defects due to latent hyperprolactinemia: randomized placebo-controlled double-blind study. Arzneimittelforschung, 1993;43:752-756. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/8369008/
- Cordani C et al. Vitex agnus castus effects on hyperprolactinaemia. Frontiers in Endocrinology, 2023;14:1269781. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC10702745/
- ESHRE Guideline Group on RPL. ESHRE guideline: recurrent pregnancy loss (Update 2022). Human Reproduction Open, 2023. https://academic.oup.com/hropen/article/2023/1/hoad002/7068067
Dieser Artikel dient ausschliesslich der Bildung und Information. Er ersetzt keine medizinische Beratung oder Behandlung. Individuelle Ergebnisse koennen variieren.